Andere Erkrankungen

Ernährungsbedingte Erkrankungen

Fettleber

Zwergbartagamen sind bekanntlich gierige Fresser, das gilt vor allem für Insekten wie Grillen, Heuschrecken.
Die Zwergbartagamen fressen sie mit Begeisterung. Man sollte nicht außer Acht lassen, dass pflanzliche Kost einen Großteil der Nahrung ausmacht bei frei lebenden Zwergbartagamen, und zwar etwa 50 Prozent bei Jungtieren, und über 90 Prozent bei Adulten Tieren. Insekten sind von Natur aus mineralstoffarm, deswegen sollten die Insekten vor dem Füttern gut angefüttert werden, und vor dem Verfüttern mit einem Mineral Vitamin Pulver bestäubt werden.
Trotz solcher Maßnahmen kann die einseitige Insektenfütterung ( Mehlwürmer ) bei den Zwergbartagamen zu Stoffwechselerkrankungen führen. Durch Überfütterung mit Mehlwürmern, kann es auch zur Verfettung des Tieres kommen. Das Resultierende Krankheitsbild betrifft vor allem das Skelett der Zwergbartagamen ( Rachitis bzw. fibröse Osteodystropie ) und die Leber ( Fettleber )

Fibröse Osteodystrophie

Fibröse Osteodystrophie ist eine Knochenstoffwechselstörung.
Diese Knochenstoffwechselstörung tritt besonders häufig bei Pflanzenfressern wie den Leguanen der Gattung Ctenosaura, Cyclura und Iguana sowie bei Landschildkröten auf.

Ursachen: Die Nebenschilddrüse (Parathyreoidea) spielt im Calciumstoffwechsel eine wichtige Rolle.
Die Grundursache der Stoffwechselstörung, die zur fibrösen Osteodystrophie führt, ist ein falsches Verhältnis von Calcium zu Phosphor in der Nahrung.
Optimal ist ein Ca: P-Verhältnis von 1,0 bis 1,5 : 1,0.
Wenn nun über eine längere Zeit dieses Verhältnis zugunsten des Phosphors verschoben wird, kommt es zu einer Überfunktion der Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus), so dass sie vermehrt Parathormon poduziert und ins Blut abgibt.
Dieses Hormon bewirkt eine Mobilisierung des Calciums der Knochen, so dass das Skelett entmineralisiert wird.

Symptome: Insbesondere bei Knochen, die einer stärkeren meschanichen Belastung ausgesetzt sind, also vor allem bei Knochen der Extremitäten sowie denen der Kiefer, versucht der Organismus den Stabilitätsverlust durch Zubildung von Bindegewebe auszugleichen.
Dies füht zu einer Umfangsvermehrung der betroffenen Knochen, welche leicht durch abtasten feststellbar ist.
Andere Knochen, z.B. Schädel, werden durch diese Entmineralisierung weich und verformbar.
Man kann diese Stoffwechselstörung mit Hilfe eine klinisch-chemischen Blutuntersuchung frühzeitig diagnostizieren, wobei dem Calcium- und Phosphorspiegel und der Alkalischen Phosphatase-Aktivität im Blutserum eine besondere Bedeutung zukommen.
Der ernährungsbedingte Hyperparathyreoidismus ist von dem Hyperparathyreoidismus renalen Ursprungs zu differenzieren, der besonders bei 5 bis 6 Jahre alten Leguanen auftritt.
Beim renalen Hyperparathyreoidismus kann in der Regel eine Nierenfunktionsstörung diagnostiziert werden.

Prophylaxe: Da man Calcium kaum überdosieren kann, gilt zu Vorbeugung, dass man eher zu viel als zu wenig Mineralstoffe ins Futter geben sollte.
Außerdem sollte man immer geriebene Sepiaschale anbieten, die in der Regel gern gefressen wird.
Jungtiere, die für diese Stoffwechselstörung besonders anfällig sind, erhalten zusätzlich zu den Mineralstoffgaben täglich Calcium Lactat über das Futter.
Pflanzen mit einem ungünstigen Ca: P-Verhältnis sollte man nicht zu häufig füttern bzw. das Verhältnis durch zusätzliche Calciumgaben ausgleichen.
Zu diesen Pflanzen bzw. Früchten zählen z.B. Banane, Apfel, Honigmelone, Paprika, Pfirsich und Tomate.
Ein sehr günstiges Ca: P-Verhältnis haben hingegen Alfalfa (= Luzerne), Karotte, Klee, Löwenzahn, Spinat und Kresse.
Einmal vorhandene Umpfangsvermehrungen von Knochen lassen sich nicht wieder rückgängig machen.
Man kann nur versuchen, das weitere Fortschreiten des Krankheitsprozesses zu stoppen, indem man dem Tier massiv Calcium (z.B. Calcium-Lactat oder Calcium-Cluconat) über das Futter zuführt.

Quelle: Bartagamen von Gunther Köhler

Rachitis

Rachitis (griechisch rhachis, Wirbelsäule) ist eine Stoffwechselstörung, die unter anderem durch Vitaminmangel hervorgerufen wird.
Es kommt dabei zu Verkrümmungen von Schwanz und Beinen, sowie zu Wirbelsäulenverkrümmungen.
Normalerweise synthetisieren die Zwergbartagamen Vitamin D3 mit Hilfe der UV-Strahlung. Da dies im Terrarium aber nicht immer 100%ig möglich ist und die Futtertiere auch nicht den Vitamingehalt wie in freier Natur haben ist die Verwendung eines geeigneten Vitaminpräparats zur Gesunderhaltung der Agamen notwendig.

Gicht

Geschwollene Gelenke können auf Gicht hinweisen. Gicht und Atemweginfektionen sind Erscheinungen zu trockener Haltung. Deshalb ist neben viel Obst und Gemüse, ein Trinknapf und ein Badebehältnis erforderlich.

Alterbedingte Erkrankungen

Bartagamen leben unter Terrarienbedingungen meist sieben, selten mehr als zehn Jahre, ein Alter, das in freier Natur wohl selten erreicht wird. Die älteste Bartagame von Norbert Schuster ist bereits 12 Jahre alt.

Ab einem Alter von sechs bis acht Jahren gelten die Tiere als “Senioren”. Sie werden dann inaktiver und stellen die Paarungsaktivitäten ein. Um einem Verfetten vorzubeugen, sollte man die Kalorienmenge in der Ernährung reduzieren. In diesem Alter sind sie auch stressanfälliger und sollten als “ältere Herrschaften” entsprechend schonend behandelt werden. Bei älteren Bartagamen treten verstärkt Abszesse und Geschwüre auf. Abszesse können vom Tierarzt aufgeschnitten und gespült werden. Gegebenenfalls sollte auch eine antibiotische Therapie durchgeführt werden. Dann ist es sinnvoll, dass der Veterinärmediziner direkt einen Abstrich aus dem Abszess nimmt.

Wenn der Tag kommt, an dem das Leiden des Tieres überwiegt, muss es eingeschläfert werden. Dies kann schmerzfrei und fachgerecht nur durch den Tierarzt geschehen. Verstirbt ein Tier, sollte man eine Sektion durchführen lassen. Vielleicht lag eine ansteckende Infektion vor, die den restlichen Tierbestand gefährden kann.

Quelle: Bartagamen von Gunther Köhler