Legenot

Wenn Weibchen ihre Eier nicht ablegen, sondern deutlich über den normalen Eiablagetermin hinaus tragen, spricht man von Legenot. Häufig sind fehlende oder ungeeignete Eiablageplätze die Ursache für eine Legenot; es kommen aber auch störende Terrarienmitbewohner, Erschöpfungszustände, Mangelerscheinungen (z.B. Vitamin- oder Calciummangel) und zehrende Allgemeinerkrankungen des Weibchens in Betracht. Seltener können übergroße Gelege (Superfekundatio) und Eianomalien (Übergröße, Missgestaltung) ursächlich eine Rolle spielen.
Wenn die trächtigen Weibchen keine geeigneten Eiablageplätze vorfinden, kommt es häufig zu psychogener Legenot. Das Tier ist dann nicht bereit, sein Gelege an ungünstigen Plätzen abzusetzen und hält die Eier zurück.

Bei reichlicher Fütterung neigen viele Reptilienarten dazu, übergroße Gelege oder übermäßig viele Gelege in Folge zu produzieren, was zu Erschöpfung und Austrocknung (die Eier nehmen gegen Ende der Trächtigkeit viel Wasser auf) führen kann.

Eine Legenot kann sich darin äußern, dass das Weibchen sich in kühlere Teile des Terrariums zurückzieht oder dass es, nachdem es vorher auf der Suche nach einem geeigneten Eiablageplatz viel umhergelaufen ist und gegraben hat, ruhiger wird und sich scheinbar wieder normal verhält. Gerade dann wird es kritisch. Nicht abgesetzte beschalte Eier können nicht mehr resorbiert werden. Ihr Inhalt verkäst, und sie verkleben mit dem Eileiter. Nach wenigen Wochen stirbt das Weibchen schließlich an einer eitrigen Eileiterentzündung, meist in Verbindung mit einer Peritonitis.

Es ist oftmals schwierig zu beurteilen, wann man noch warten kann und wann es sich schon um eine Legenot handelt!

Wenn erst einmal die – sehr unspezifischen! – Symptome einer Legenot erkennbar werden (Apathie, tiefliegende Augen, eingefallene Schwanzwurzel, stumpf wirkende Haut, Schmerzempfindlichkeit im Bauchbereich), ist es für eine Hormon Therapie schon meist zu spät.
Im günstigeren Fall kann es zum „Verwerfen der Eier“ kommen, was sich darin äußert, dass das Weibchen nach Überschreiten des physiologischen Eiablagetermins die Eier nicht vergräbt, sondern wahllos im Terrarium verstreut. Dabei ist zu beachten, dass diese Tiere oftmals nicht alle Eier verwerfen, sondern einige wenige im Eileiter verbleiben, wo sie zu oben genannten Komplikationen führen können. Mit Hilfe einer Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung muss geprüft werden, ob auch tatsächlich das gesamte Gelege abgesetzt worden ist.

Um zu verhindern, dass es zu einer Legenot kommt, muss man, wenn der normale Eiablagetermin überschritten ist, die Eiablage rechtzeitig (bevor es zum klinischen Bild der Legenot kommt) mit Hilfe von Oxytocin einleiten. Da die Nutzung von Oxytocin einen schweren Eingriff in den Hormonhaushalt des Tieres bedeutet, sollte die Behandlung von einem fachkundigen Reptilienarzt durchgeführt werden. Sollte die Oxytocin-Therapie keinen Erfolg zeigen, bleibt als letztes Mittel das chirurgische Vorgehen.

Quelle: Bartagamen von Gunther Köhler